Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 58

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 58

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 58

# Jubiläum250

Katholisches Leben in Stralsund – eine Zeitschiene bis in die Gegenwart - Episode 58

Der wiederentdeckte Diakonat: Aufgaben und Entwicklung

Das Diakonat wurde im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils als eigenständiges kirchliches Amt neben dem Priesteramt neu etabliert. Ständige Diakone engagieren sich in der Gemeindearbeit und übernehmen vielfältige diakonische Aufgaben. Dazu zählen insbesondere die Alten- und Krankenseelsorge sowie die Betreuung von Menschen am Rand der Gemeinde, wie Zugezogene und Alleinstehende.

Ein Diakon ist ein Christ, der sich aktiv am Leben der Kirche beteiligt und dazu beiträgt, dass eine Brudergemeinde entsteht. Seit einigen Jahren wird im „St. Hedwigsblatt“ verstärkt darauf hingewiesen, dass der Diakonat nicht lediglich eine Vorstufe zur Priesterweihe oder ein Durchgangsstadium ist, sondern ein eigenständiger Dienst, der eine Rückbesinnung auf die Tradition der alten Kirche darstellt.

Durch das Zweite Vatikanische Konzil wurde der in der frühen Kirche vielfältig praktizierte Dienst des Diakons neu entdeckt und als eigenständig neben dem Priesterdienst anerkannt. Dies führte zu verstärkten liturgischen und seelsorgerischen Funktionen für Diakone.

Diakonat im überpfarrlichen Dienst

Am 22. September 1974 wurden in Berlin erstmals drei Männer, alles Familienväter, von Kardinal Bengsch in der St. Hedwigs-Kathedrale zu „Ständigen Diakonen“ geweiht. Diese Bezeichnung hebt sie von Diakonatsanwärtern für das Priesteramt ab. Weitere vier Männer empfingen am 16. Dezember 1978 die Diakonatsweihe durch den Berliner Bischof in St. Hedwig.

Diakone können neben der Gemeindearbeit auch überpfarrliche Aufgaben übernehmen, etwa in verschiedenen caritativ-sozialen Diensten und auf Diözesanebene. Sie sind häufig ausgebildete Fürsorger und übernehmen Aufgaben in sozialen Arbeitsfeldern.

Aufgaben des Gemeindediakons

In einem Pastoralbrief der Berliner Ordinarienkonferenz aus dem Jahr 1973 wurde der Sinn und die Bedeutung des Diakonats ausführlich beschrieben. Der Gemeindediakon übernimmt diakonische Aufgaben in der Gemeinde, insbesondere im sozialen und katechetischen Bereich. Er ist zuständig für die Seelsorge und die Begleitung der Gemeindemitglieder.

Ständige Diakone im Bistum Berlin

Im Bistum Berlin sind sieben Ständige Diakone tätig, die ihre Schwerpunkte in verschiedenen Gemeinden und Arbeitsfeldern haben. Dazu zählen unter anderem St. Gertrud (Berlin), St. Antonius (Berlin-Oberschöneweide), Schöneiche, Teltow, Neustadt/Dosse und Stralsund. Ihre Arbeit konzentriert sich besonders auf den sozialen und katechetischen Bereich innerhalb ihrer Gemeinden.

Diakonatshelfer und ein Ständiger Diakon in Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

Aufgrund besonderer päpstlicher Vollmachten vom 30. April 1965 und 20. September 1966 für den Bereich der damaligen Berliner Ordinarienkonferenz begann im Bistum Berlin der Dienst der Diakonatshelfer. Ihre besondere Aufgabe ist es, gemäß dem Schreiben des Heiligen Offiziums „die heilige Eucharistie in Städte und Dörfer zu bringen und den Gläubigen zu spenden, wo kein Priester ständig wirkt und die Gläubigen sich doch versammeln, um das Wort Gottes zu hören.“ Die Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz erhielten 1968 die Erlaubnis, Helfer für die Spendung der heiligen Kommunion zu beauftragen. Aufgrund dessen begann im damaligen Westteil des Bistums Berlin der Dienst der Kommunionhelfer, die als ,,außerordentliche" Spender der heiligen Kommunion bei der Feier der heiligen Messe bzw. bei einem Wortgottesdienst und im Dienst an den Kranken der Gemeinde helfen.

Im Bistum Berlin gehören auch Gemeindemitglieder. (Synonym „Laiendiakon“) dazu.  

Die ersten in Hl.Dreifaltigkeit waren die Herren Felix Lebek, Karl Wagner, Rudolf Luschtinez, Vincenz Schwartz und Jürgen Grieger am21.Mai 1972. 

Bild: Erste Diakonatshelfer                                                                                                                                              (von links nach rechts:                                                                                                                                                       Vincenz Schwarz, Rudolf Luschtinez; Felix Lebek, Jürgen Grieger und Karl Wagner)

In einer weiteren Runde folgten Roland Fischer, Norbert Mann, Hans Georg Siewek und Wilhelm Hauser. Die erste Frau bei uns war Susanne Möller, die mit Andreas und Peter Wanitschke den Dienst antrat. Später kamen Heino Göcke (Tanschuss), Martina Steinfurth, Katrin Sokolowski, Peter Scholz, Harald Hansen, Sebastian Tacke und Matthias Kruske dazu. Von der 72.iger Runde lebt nur noch Jürgen Grieger der seinen Dienst jetzt als Lektor und Küster regelmäßig versieht.

Am 8. Januar 1999 haben die deutschen Bischöfe eine „Rahmenordnung für die Zusammenarbeit von Priestern, Diakonen und Laien im Bereich der Liturgie" beschlossen. Im Einklang mit dieser Erklärung erhalten die Frauen und Männer, die im Erzbistum Berlin den Dienst der Diakonats- und Kommunionhelferinnen und -helfer ausüben, die neue Bezeichnung „Gottesdienstbeauftragte“.

Gottesdienstbeauftrage und Lektoren in der Pfarrei

Eine erprobte Klassifizierung der Dienste Gläubiger in der Kirche unterscheidet Liturgie, Verkündigung und Diakonie.

Gottesdienstbeauftragte und Lektoren gehören zu den getauften und gefirmten Menschen, die einen Dienst im Rahmen von Gottesdiensten oder der Spendung von Sakramenten übernehmen. Sie stehen mit anderen im Dienst der Liturgie.

Peter Wanitschke ist mittlerweile Dienstältester in diesem so wichtigen Dienst. Unterstützt wird er regelmäßig noch von Martina Steinfurth, Peter Scholz, Sebastian Tacke und Matthias Kruske. In unserer Großpfarrei Sankt Bernhard Stralsund-Rügen-Demmin sind noch einige Andere in den Gottesdienstorten mit dieser Aufgabe betraut.

Gottesdienstbeauftragte können Wortgottesdienste und Andachten leiten. Sie tragen die Lesungen in der Heiligen Messe vor und teilen zusammen mit den Priestern und Diakonen die Kommunion aus, spenden einen Segen und tragen die Kommunion zu den Kranken.

Gottesdienstbeauftragte werden vom Erzbistum Berlin ausgebildet. Regelmäßige Gottesdienstbesuche werden vorausgesetzt. Nach der Ausbildung werden die neuen Gottesdienstbeauftragten durch den Bischof ernannt.

Lektoren lesen Fürbitten und Lesungen in den Gottesdiensten. Zum Lektor wird man auf Bitten des Pfarrers der Gemeinde. Auch Lektoren erhalten eine Ausbildung des Erzbistums Berlin. Deutliches und sinnvolles Vortragen der Heiligen Schrift werden vermittelt.

Mehrmals im Jahr gibt es ein Treffen zur Planung und Reflektion des Dienstes.

Ansprechpartner für die Lektoren und Gottesdienstbeauftragten unser Pfarrer.

Ständiger Diakon- eine besondere Aufgabe – Felix Lebek

Diakone können verheiratet sein oder unverheiratet, können Väter sein oder ohne Kinder. Sie können ihren Dienst im Hauptberuf oder mit Zivil Beruf ausüben. So kann jeder seine besonderen Erfahrungen und Begabungen in den Dienst ein bringen. Dieser Dienst geschieht zunächst einfach dort, wo der Diakon lebt – er ist nicht auf die Mauern der Kirche, nicht einmal auf den Kreis der Gemeinde beschränkt. Wenn der Diakon eine Aufgabe in der Kirche und in ihrem Namen übernimmt, fühlt er sich vor allem zu den Menschen gesandt, die Hilfe brauchen. Für sie steht er ein, wenn er bei der Eucharistiefeier mitwirkt, wenn er predigt, tauft, bei der Eheschließung im Namen der Kirche assistiert, Verstorbene zur letzten Ruhe begleitet, Wort-Gottes-Feiern leitet oder den Kranken die Eucharistie bringt. Für sie stößt er Projekte an und sucht Menschen, die sich dafür engagieren. Sie motiviert und begleitet er.

In diesem Aufgabenfeld sah unser Gemeindemitglied Felix Lebek, seine Zukunft. 

Diakon … einander dienen an unterschiedlichen Orten Diakon heißt: „Diener, Bote, Mittelsmann“. Ein Diakon ist ein Mittelsmann Christi, der vor Ort in einem konkreten Feld menschlicher Not eine spezielle Herausforderung lebt. Jesus als Vorbild Der Diakon lebt in der Art Jesu in der Beziehung zu Gott und in der Begegnung mit Menschen. Er findet Orientierung am Wort Gottes und schöpft Kraft aus dem Gebet. Wie Jesus die Menschen gesucht und in den Mittelpunkt gestellt hat, besonders die Kranken, die Armen, die Leiden den, die Schuldig gewordenen, so versucht es in Jesu Nachfolge der Diakon. 

Felix Lebek geboren am 18.12.1919 in Günz im damaligen Kreis Franzburg. War lange als Lehrer tätig. Die Imkerei war ihm ein ganz Besondres Anliegen, der er sich intensiv widmete. Er war verheiratet und hatte fünf Kinder (Peter, Klemens, Barbara, Martin und Gabriele, so ihre Namen). Felix Lebek war 1972 von Erzbischof Alfred Bengsch als Diakonatshelfer in unsere Gemeinde gesandt worden. Er wollte mehr, wollte näher am Tisch des Herrn Dienst tun. Also machte er konsequent die Ausbildung zum ständigen Diakon zum Lebensziel und seiner ganz persönlichen Aufgabe. Am 16.12. 1978 zwei Tage vor seinem 59. Geburtstag, war es so weit. Er wurde in eine intensive pastorale Mitarbeit als Diakon in die Gemeinde Stralsund zu Pfarrer Wolfram Lewicki gesandt. Ab 1984 wurde ihm die Mitarbeit in den Gemeinden Barth, Zingst und Damgarten übertragen. Nach vielen Jahren in der pastoralen Seelsorge ging er am 01.07.1990 in den Wohlverdienten Ruhestand.

20. Weihejubiläum von Herrn Diakon Felix Lebek

Als er am 16. Dezember 1978 zum ständigen Diakon geweiht wurde, in unserem                 Bistum war Felix Lebek der 4. Diakon.  Heute sind es eine Menge mehr Diakone in unserem Bistum. Er gehört zu der Generation, die die Spur gelegt haben für dieses vom II. Vatikanischen Konzil wiederbelebte uralte Amt in der Kirche. Bis 1990 hat er seinen Dienst aktiv ausgeübt: bei uns in Stralsund, in Barth, Zingst und Damgarten. Was wäre dort geworden, wenn er nicht gewesen wäre?1 Denn Zingst hatte keinen Pfarrer mehr und Damgarten auch nicht. Auch in Stralsund war die Zeit der 2 Kapläne vorbei. Heute begleitet er seine ehemaligen Wirkungsstätten mit seinem Gebet. Wir gratulieren dem Jubilar sehr herzlich. Gottes Segen möge ihn begleiten und in reicher Fülle vergelten, was er Gutes getan hat und tut.

                                      Pfarrer Reinhold Janiszewski

Korrektur Wolfgang Vogt 

überarbeitet Roland Steinfurth

Gemeinde Hl. Dreifaltigkeit Stralsund

 

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